Der Vitamin-D-Bedarf. Die richtige Versorgung mit Nahrungsergänzungsmitteln

Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen bestätigten, dass sogar eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung nicht in der Lage ist, die vollständige Tagesdosis an Vitamin D bereitzustellen (maximal bis 20 %), weil die Hauptquelle von Vitamin D für den Organismus die Synthese in der Haut ist, die unter Teilnahme der UV-Strahlung (290-320 nm) stattfindet. Allerdings ist diese Synthese in den Gebieten, die über 33° der geographischen Breite liegen (ganz Europa) wegen des Einfallwinkels der Sonnenstrahlen in der Frühlings-Sommerzeit zwischen 10:00 und 15:00 Uhr am effektivsten, und in den Wintermonaten praktisch unmöglich [1]. Außerdem hemmen viele Faktoren, solche wie: Bewölkung, Luftverschmutzung, Anwendung von Sonnenfiltern, ein hoher Pigmentierungsgrad der Haut, fortgeschrittenes Alter, fehlende Aktivität zur Zeit der höchsten Verfügbarkeit der Sonnenstrahlen noch zusätzlich die Vitamin-D-Synthese. Infolge dessen tritt Vitamin-D-Mangel auf, sowohl in Polen (etwa 90 % der Erwachsenen, Kinder und Jugendlichen) [2] wie auf der ganzen Welt [3]. Daher kann eine entsprechende und gut gewählte Versorgung mit Nahrungsergänzungsmitteln von Schlüsselbedeutung bei der Sicherstellung der richtigen Stufe von Vitamin D sein.

VITAMIN-D-BEDARF

Das Polnische Expertenteam hat im Jahr 2018 in Zusammenarbeit mit der Europäischen Vitamin-D-Gesellschaft – EVIDAS die aktuellen Richtlinien für Nahrungsergänzungsmittel und die Behandlung mit Vitamin D ausgearbeitet. Vor der Einnahme der Nahrungsergänzung sollte eine Bewertung der Versorgung des Organismus mit Vitamin D stattfinden, meistens durch die Bestimmung des Lebermetabolits – Calcifediol, d.h. 25(OH)D im Blutserum [4] Gemäß den Richtlinien für Mitteleuropa wurde angenommen, dass eine suboptimale Versorgung des Organismus mit dem Vitamin D bei einer Konzentration von 25(OH)D3, die 20–30 ng/ml (50–75 nmol/l) beträgt, vorliegt.
Vitamin-D-Stufe Konzentration von Calcidiol  
  ng/ml nmol/l
Erheblicher Mangel    
Mangel < 20 < 50
Suboptimal 20–30 50–75
Optimal 30–50 75–125
Hoch 50–100 125–250
Toxisch >100 >250
Tabelle 1. Vitamin-D-Bedarf des Organismus [2] Zur Sicherstellung eines pleiotropischen Effekts wurde die Erhaltung einer Konzentration auf der Stufe  30-50 ng/ml (75-125 nmol/l) anerkannt. Feststellung höherer Konzentrationen im Blutserum  (>100 ng/ml, d.h. > 250 nmol/l)  kann von einer falschen Supplementierung zeugen und ist eine Anzeige für die unbedingte Einstellung der Kur (Tab. 1) [2].

EMPFEHLUNG DER VITAMIN-D-SUPPLEMENTIERUNG IN DER ALLGEMEINBEVÖLKERUNG

Die Wahl der Dosis in den einzelnen Altersgruppen hängt auch von der Körpermasse, dem Grad der Aussetzung der Sonnenstrahlung (Jahreszeit), dem Lebensstil und den Ernährungsgewohnheiten ab, weshalb sie für jeden Patienten individuell festgelegt werden sollte, und in den Richtlinien findet man nur bestimmte Bereiche, in welchen man das Vitamin D supplementieren sollte, und keine exakt festgesetzten Dosen (Tab. 2).
NEUGEBORENE UND SÄUGLINGE  
geboren <32. Schwangerschaftswoche 800 IU/24 h ab den ersten Lebenswochen, unabhängig von der Art der Ernährung
geboren in der 33.-36. Schwangerschaftswoche 400 IU/24 h ab den ersten Lebenswochen, unabhängig von der Art der Ernährung
0-6 Monate 400 IU/24 h ab den ersten Lebenswochen, unabhängig von der Art der Ernährung
6-12 Monate 400–600 IU/24 h abhängig von der Vitamin-D-Menge, die in 24 h mit der Nahrung aufgenommen wurde
KINDER (1.–10. LEBENSJAHR)* wenn keine entsprechende Sonnenexposition vorliegt, 600–1000 IU/24 h**
JUGENDLICHE (11.–18. LEBENSJAHR)* wenn keine entsprechende Sonnenexposition vorliegt, 800–2000 IU/24 h**
ERWACHSENE (19.–65. LEBENSJAHR)* wenn keine entsprechende Sonnenexposition vorliegt, 800–2000 IU/24 h**
SENIOREN (>65.–75. LEBENSJAHR), PERSONEN MIT DUNKLER HAUTFARBE 800–2000 IU/24 h**
SENIOREN (>75. LEBENSJAHR), 2000–4000 IU/24 h**
FRAUEN WÄHREND DER SCHWANGERSCHAFT UND LAKTATION  
im Zeitraum der Fortpflanzung und Schwangerschaftsplanung wenn keine entsprechende Sonnenexposition vorliegt, 800–2000 IU/24 h**
während der Schwangerschaft Kontrolle 25(OH)D und anhaltende Konzentration von > 30-50 ng/ml, Ohne Kontrolle 25(OH)D – 2000 IU/24 h, während des gesamten Zeitraums der Schwangerschaft und Laktation
Tabelle 2. Supplementierung von Vitamin D in der Allgemeinbevölkerung in den Gruppen des Vitamin-D-Mangel-Risikos [2] *bei gesunden Kindern, die sich von Mai bis September zwischen 10.00 und 15.00 Uhr mindestens 15 Minuten an der Sonne mit entblößten Unterarmen und Unterschenkeln ohne Körperlotionen mit Sonnenfiltern aufhalten, ist die Supplementierung nicht notwendig, wenn auch empfehlenswert und sicher **je nach der Körpermasse und der Zuführung von Vitamin D in der Ernährung, das ganze Jahr über [2]. Eine besondere Risikogruppe bilden Personen mit Adipositas, die im Vergleich zu Personen gleichen Alters mit normaler Körpermasseeine doppelte Menge von D benötigen [2].

WELCHE DOSIS AN VITAMIN D IST SICHER UND UNBEDENKLICH?

Die obere zulässige Dosis von Vitamin D pro 24 h für die gesunde Bevölkerung beträgt im Falle von:
  • Neugeborenen und Säuglingen: 1000 IU/Tag
  • Kinder im Alter von 1-10 Jahren: 2000 IU/Tag
  • Jugendliche im Alter von 11-18 Jahren: 4000 IU/Tag
  • Erwachsene und Senioren: 4000 IU/Tag
Man sollte dabei unterstreichen, dass man die zulässigen 24 h-Dosen nicht mit den bei der Behandlung der Vitamin-D-Mangelerscheinungen empfohlenen Dosen verwechseln sollte, und diese ohne medizinische Aufsicht nicht überschritten werden sollten [2].

NAHRUNGSERGÄNZUNGSMITTEL UND ARZNEIMITTEL, DIE VITAMIN D UND VITAMIN-D-ANALOGA ENTHALTEN

Bei der Supplementierung und Behandlung von Vitamin-D-Mangel wird in Polen und Europa am häufigsten Cholecalciferol verwendet (D3), im Gegensatz zum amerikanischen Markt, wo auch Ergocalciferol populär ist (D2). In Polen kann Vitamin D in folgenden Produkten zugänglich sein:
  • in Nahrungsergänzungsmitteln 400–2000 IU (gemäß Verordnung Nr. 4/2019) [5],
  • in Arzneimitteln, die rezeptfrei zugänglich sind (OTC) – bis 4000 IU,
  • in den durch den Arzt verschriebenen Arzneimitteln (Rx) – 7000, 10000, 2000, 25000, 30000 IU [6].
Die aktuellen Präparate auf dem Markt, die Vitamin D enthalten, sind in Form von Tabletten, Kapseln und Tropfen erhältlich, und für die Kinder sind Sprays und die Twist-off-Kapseln die geeignetste Darreichungsform. Bei Patienten  mit den Vitamin-D-Stoffwechselstörungen in der Leber, mit begleitenden chronischen Lebererkrankungen, Cholestase, bei Behandlung von chronischen Erkrankungen mit Glukokortikosteroiden oder mit den Antokonvulsiva wird  Calcifediol verwendet– 25(OH)D3 [2, 7]. Bei Vitamin-D-Stoffwechselstörungen in der Niere und bei Krankheiten, die mit einer Reduktion der Aktivität der 1α-Hydroxylase zusammenhängen, solchen wie Niereninsuffizienz, nephrotisches Syndrom, chronische Nierenerkrankung, hypophosphatämische Rachitis und andere Formen von Rachitis, die gegen Vitamin D resistent sind, sowie bei Nebenschilddrüsen-Unterfunktion werden aktive Metabolite und Analoga von Vitamin D verwendet, solche wie:Alfacalcidol (1αOHD), Calcitriol (1α,25(OH)2D3), Paricalcitol (19nor1α,25(OH)2D2) [2].

SUPPLEMENTIERUNG VON VITAMIN D IM ZEITALTER VON COVID-19

Immer mehr wissenschaftliche Daten weisen darauf hin, dass, die Versorgung mit einer entsprechenden Vitamin-D-Menge die Immunität des Organismus verbessert; außerdem kann Vitamin D durch das Modulieren der Immunantwort den Verlauf von COVID-19 lindern und das Auftreten des akuten Atemnotsyndroms (ARDS) verhindern [8]. Aktuell ist man sich in der Wissenschaft nicht darüber einig, welche Dosis bei der Supplementierung von Vitamin D im Falle von COVID-19 die optimale ist, aber es wird angenommen, dass die Konzentration 25(OH)D3 im Blut mindestens 40–50 ng/ml betragen sollte. Falls sich der Vitamin-D-Mangel bestätigen sollte, raten manche Experten zur Supplementierung von 2000-4000 IU/24 h, um eine optimale Konzentration zu erreichen, und bei starkem Mangel ist eine regelmäßige Einnahme von höheren Dosen, unter ärztlicher Aufsicht, zu erwägen, um den Vitamin-D-Mangel schnell zu beheben. Besonders wichtig ist das bei erwachsenen Personen in den Gruppen hohen Risikos (bei Personen über 70, bei Personen mit Diabetes, Herz-Gefäßerkrankungen, Adipositas) [9]. Dr n. farm. (Dr. pharm.) Marlena Dudek-Makuch, Abteilung für gesetzliche Regelungen und Vorgaben von Curtis Health Caps

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